Historismus

Oberbegriff für verschiedene Architekturrichtungen im 19. Jahrhundert

Historismus als Baustil an der alten Oper

Die Alte Oper in Frankfurt, Beispiel von Architektur im Historismus: Neorenaissance.

Der Historismus als Gestaltungsform hatte seine Blütezeit im 19. Jahrhundert nach dem Scheitern von Napoleon und dem Beginn der Industrialisierung. Die Neue Zeit brachte neue Anforderungen an die Architekten: Industrie- und Verwaltungsbauten mussten entworfen werden und in den Städten musste die rasch wachsende Bevölkerung irgendwo wohnen. Den erhöhten Bedarf an Wohnraum befriedigte man mit so noch nie dagewesenen mehrstöckigen Wohnhäusern in Blockrandbebauung.

Historismus als Gestaltungslehre für Architekten

War schon die Funktion und das Volumen vieler neuer Gebäude im 19. Jahrhundert neu, so wollte man zumindest in der Gestaltung auf bewährtes und bekanntes zurückgreifen und entwarf Gebäude im Historismus, d.h. im Rückgriff auf verschiedene überlieferte Baustile. Im Historismus unterteilt man die Gebäude in Neogotik, Neoromanik, Neorenaissance, Neobarock und Neoklassizismus. Lässt sich ein Gebäude keiner historistischen Architektur zweifelsfrei zuordnen, obwohl verschiedene historistische Stilelemente Verwendung finden, so spricht man in diesen Fällen von Gebäuden im Eklektizismus.

Aus heutiger Sicht: Fehler im Historismus

Der Historismus interpretierte die antiken Bauformen im Kenntnisstand des 19. Jahrhunderts. Typisch waren neben Neubauten im Historismus auch historistische Umgestaltungen von noch existierenden älteren Originalbauten. Der Historismus war vergleichsweise arm an Farbe, nach modernen Erkenntnissen waren die antiken Vorbilder aber reich an Farben und sogar die Kathedralen der Romanik und Gotik waren von außen bemalt.

Hier ein interessanter Text zur antiken und historischen Farbigkeit: Polychromie auf www.stiftung-archaeologie.de (pdf)