Neoklassizismus

Baustil für Wohngebäude und staatliches Bauen

Einfaches Wohngebäude im Stil des Neoklasszismus

Neoklassizismus als Baustil für ein vergleichsweise einfaches Wohngebäude

Der Neoklassizismus war der langlebigste unter den Baustilen, die man in der Architekturgeschichte unter dem Begriff "Historismus" zusammenfasst. Man kann im Neoklassizismus gebaute Häuser erstmals in der Zeit zwischen 1850 und 1871 ausmachen, nach 1871 nimmt der Gebrauch von Neoklassizismus als Baustil stark zu und endet in Deutschland in der Mitte der 1950er Jahre (vereinzelte staatliche Bauten in Ostdeutschland).
Neoklassizismus unterscheidet sich vom echten Klassizismus dadurch, dass die Baukörper deutlich größer wurden. Außerdem wurden die dekorativen Elemente des Klassizismus durch Einstreu anderer Baustile verwässert. Typisch für Klassizismus und Neoklassizismus ist die Verwendung von Dekorationselementen, die an die Antike erinnern. Zu nennen sind beispielsweise Säulen und Dreiecksgiebeln, im Neoklassizismus gerne zu einer Ädikula zusammengefasst. Während der echte Klassizismus zu seiner Zeit ein avantgardistischer Baustil war, war der Neoklassizismus für Wohngebäude eher Standard. Die Schmuckelemente für eine Fassadendekoration im Stile des Neoklassizismus waren vergleichsweise einfach herzustellen und wurden deshalb gerne für niedrigpreisige Wohngebäude genommen. Eine ähnliche Beobachtung kann am Bauhausstil der 1920er Jahre und den daraus abgeleiteten Plattenbauten der 1960er bis 1970er Jahre gemacht werden.

Neoklassizismus, Klassizismus, Klassik Unterschiede und Feinheiten im Sprachgebrauch

Im englischen und französichen Sprachraum unterscheidet man nicht zwischen Klassizismus und Neoklassizismus. Vielmehr wird jeder Baustil "Neoklassizismus" (neoclassicism, néoclassicisme) genannt, der Bezug auf die europäische Antike nimmt. Im deutschen Sprachraum gab es die Märzrevolution 1848, die auf Ideen aus Frankreich und den U.S.A zurückging und deren geistiger Boden von den Vertretern der sogenannten "Deutschen Klassik" mit Vertretern wie Heine, Kant, Schiller und Goethe bereitet wurde. Etwa im Jahr 1850 trennt der deutsche Sprachgebrauch den Klassizismus vom Neoklassizismus.