Neogotik

Wiederentdeckung des Mittelalters

Lagerhaus in der Hamburger Speicherstadt im Stil der Neogotik

Neogotisches Lagerhaus in der Hamburger Speicherstadt

Nach dem Klassizismus und seinem Rückgriff auf die klassische Antike war die Neogotik der erste Baustil, der Bezug auf mitteleuropäische Bautraditionen nahm. Zuerst wurde er für Kirchen eigesetzt. Es entstanden Kirchenneubauten, die die mittelalterliche Gotik neu interpretierten und unvollendete Kirchen aus dem Mittelalter wurden fertiggestellt. Wenn man nicht wie beim Kölner Dom auf Originalbaupläne zurückgreifen konnte, musste man sich so gut es ging in die Gedankengänge der Dombaumeister hineinversetzen. Das Ergebnis war die Neogotik.

Neogotik für Kirchen- und Zweckbauten

Vor allem Kirchen und größere Zweckbauten wurden im Stil der Neogotik erbaut, eine Ausnahme bilden einzelne große Villen und Landhäuser. Der Grund hierfür liegt darin, dass die gotischen Stilelemente, die man in die Neogotik übernahm, nur an großen Gebäuden richtig proportioniert wirken. An einem kleinen einstöckigen Wohnhaus die Vertikale betonen zu wollen, war schon um 1840 eher ein schlechter Witz. Tatsächlich waren die meisten Wohngebäude in der Zeit der echten Gotik aus Stampflehm und/oder Fachwerk und mehr oder weniger schmucklos.