Eklektizismus

Neue Stadtmenschen auf der Suche nach dem eigenen Stil.

Läns Museum Kalmar im Stil des Eklektizismus

In diesem eklektizistischen Gebäude befindet sich das Landesmuseum Kalmar, Schweden

Die beginnende Industrialisierung im frühen 19. Jahrhundert war die Ursache für ein starkes Größenwachstum der europäischen Städte. Die neuen Einwohner brauchten neue Häuser und auf die bisher übliche Bauweise (bspw. Fachwerk) konnte nicht schnell genug Wohnraum geschaffen werden.
Die Lösung fand sich in der neuen Bauweise der Blockrandbebauung. Es entstanden Bürgerhäuser für die Mittel- und Oberschicht sowie Mietskasernen für die einfachen Arbeiter. Für die neuen Wohnquartiere wurde die Stadt räumlich erweitert oder es wurden alte Quartiere abgerissen.

Rückgriff auf bewährte Stile

Bis zur Industrialisierung wurde auf eine dekorative Gestaltung von Wohnhäusern für das Volk kein gesteigerter Wert gelegt, die Häuser wurden als Einzelprojekt nach verschiedenen regional überlieferten Erfahrungswerten gebaut.
Die neuen Häuser aus der Zeit der Industrialisierung entstanden als Großprojekte in Zusammenarbeit mit Architekten, die sich erstmals nicht nur um statische Aspekte kümmerten, sondern auch Wert auf ein schmückendes Aussehen der damaligen Neubauten legten. Der Grund für die aufwendige Gestaltung war nicht nur die Schönheit um der Schönheit willen, sondern auch die Konkurrenz unter den Bauherren als Vermieter des neuen Wohnraums: Eine schönere Wohnung war schneller vermietet und stand seltener leer. Da noch kein neuer Stil gefunden war, griff man in der Gestaltung auf Bewährtes zurück. In Anlehnung an historische Vorbilder baute man also im Stil von Neoromanik, Neogotik, Neorenaissance, Neobarock und Neoklassizismus. Aufgrund der verwendeten historischen Vorbilder nennt man den Eklektizismus in der Architektur auch Historismus.